TSV Lohr - TuS Fürstenfeldbruck
Lohr festigt durch klaren Heimsieg gegen Fürstenfeldbruck seine Stellung als Tabellenführer
TSV Lohr - TuS Fürstenfeldbruck 26:20 (13:7)
Wie meint er das? Lohrs Trainer Dr. Frantisek Fabian hatte jüngst nach einer der Partien seiner Mannschaft geklagt, dass man bei solchen Spielen nicht jünger werde. Dabei sehen doch momentan nur die Gegner seiner Truppe regelmäßig ziemlich alt aus. Nicht einmal dem Tabellenzweiten TuS Fürstenfeldbruck erging es am Samstag in der Lohrer Spessarttorhalle besser. Mit 20:26 (7:13) mussten sich die Oberbayern geschlagen geben. Auf stattliche 11:1-Punkte hat Spitzenreiter Lohr dadurch seine Bilanz mittlerweile hochgeschraubt und lässt recht hilflose Kontrahenten zurück. Simon Wicha ist das beste Beispiel dafür. Der Torhüter unternahm einst unter Dr. Frantisek Fabian erste Gehversuche in der 2. Bundesliga. Am Samstag hatte er nach dem Gipfeltreffen nur ein ratloses Schulterzucken vorzuweisen.
Dem Gast fehlen die Alternativen
Dabei bietet der 24-Jährige erste Ansatzpunkte für eine Erklärung. Nach einem Zusammenprall am vorletzten Wochenende mit einem Gegenspieler konnte der reaktionsschnelle Schlussmann dem Treiben seiner Mitspieler nur von der Bank aus folgen. Neben ihm musste Fürstenfeldbruck zudem auf seine beiden torgefährlichen, jedoch verletzten Flügelspieler Nick Huber und Sebastian Huhn verzichten.
Trotz der eher mauen Vorzeichen gelang den Gästen ein gelungener Auftakt. Rasch lagen sie mit 2:0 in Führung und bewegten sich im ersten Fünftel der Partie auf Augenhöhe mit den Gastgebern. Danach allerdings war es mehr und mehr Lohr, das sich sehr zur Freude der 800 Zuschauer in den Vordergrund schob. Nach dem 5:5-Zwischenstand der 13. Minute glückten dem Gast bis zur Pause nur noch zwei weitere Treffer, während Lohr noch achtmal traf. Insbesondere eine siebenminütige, torlose Phase des TuS nutzte der TSV um erstmals deutlich zu führen und auf 8:5 zu enteilen.
Die Hausherren zeichnete dabei vor allem die im Vergleich zum Gegner größere Leidenschaft aus. Gerade die Defensive bewies sich als einsatzfreudig und stellte den Gegner vor Rätsel. Alleine Rückraumspieler Alexander Raff glückten in der ersten Halbzeit drei Tore, ansonsten war er allerdings beim gegen ihn recht offensiv agierenden Max Brunner in guten Händen.
Für Lohr zahlte sich zunehmend die Breite des Kaders aus. Dr. Frantisek Fabian hat in dieser Saison viel personellen Spielraum, auf den Positionen mehrere qualitativ hochwertige Alternativen und kann zudem seine Akteure variabel einsetzen. Nach der ersten Hälfte schien angesichts einer Lohrer 13:7-Führung schon eine Vorentscheidung gefallen zu sein.
Zumal sich der bereits gewonnene Eindruck eingangs der zweiten Halbzeit zu festigen schien. Lohr packte schon jetzt den ersten Kempa-Trick aus und hatte zudem im Tempospiel klare Vorteile. Unterstützt wurden die unermüdlich rackernden Feldspieler von einem hervorragenden Torwart Stefan Schüßler, der vor allem in der zweiten Halbzeit immer wieder zu glänzen wusste. Die Heimmannschaft, die von ihren erfahrenen Spielern nun gekonnt gelenkt wurde, lag nach knapp zwei Dritteln der Spielzeit deutlich mit 16:9 in Führung und eilte gegen eine der zum Favoritenquartett der Liga gerechnete Vertretung einem äußerst unangefochtenen Heimsieg entgegen.
Nur kurz Sand im Getriebe
Kurzzeitig sollte allerdings noch einmal Sand ins Getriebe der Hausherren kommen. Fürstenfeldbruck agierte nun in der Deckung recht offensiv und nahm zudem Bohuslav Zeleny an die kurze Leine. Der Drittliga-Absteiger nutzte das Zwischenhoch um 13 Minuten vor Spielende bis auf drei Tore Unterschied (15:18) zu verkürzen. In dieser Phase blitzte die eigentliche Stärke des TuS, das schnelle Konterspiel, kurzzeitig auf. Lohr ließ sich allerdings nicht aus der Bahn werfen. Zunächst erhöhte Peter Vozar mit einem trocken Wurf aus dem Rückraum auf 20:16. Danach war es Benjamin Horn, der in Erscheinung trat. Bekam er einen ersten Konterversuch wegen zu vieler Schritte noch abgepfiffen, verwandelte er den unmittelbar folgenden zum 21:16. Als sich dann Max Brunner einen Abpraller sichern konnte und zum 22:16 vollendete, war neun Minuten vor dem Abpfiff die Frage nach dem Sieger endgültig beantwortet. Am Ende hieß es 26:20 für Lohr.
Begeisterung und Euphorie nach der Partie im Lohrer Lager ließen auf eine rauschende Siegesfeier schließen: Dabei wird man dann wahrscheinlich in der Tat nicht jünger.
Andreas Müller
TSV Lohr: Schüßler (Tor), Prokscha (Tor), Zeleny 5/3, L. Spieß 1, Scheiner 3, Brunner 3, Avar, Vozar 3, Kralik, Haberberger, Rahtz, Bardina 4, Horn 3, T. Spieß 4.
TuS Fürstenfeldbruck: Wagner (Tor), Wicha (Tor, n.e.), Wallnitz 1, Müller 1, Krauß, Hoffmann 1, Gärtner 1, Sparn 3, Knorr 1, Raff 3, Maier 2, Lentner, Dück 7/5.
Schiedsrichter: Roost/Stark (Regen/Landau)
Zuschauer: 800
Zeitstrafen:TSV 4 (Brunner zwei, Scheiner, Bardina), TuS 1 (Raff)
Siebenmeter: TSV 4/3 (Zeleny scheiterte an Wagner); TuS 5/5.
Spielfilm: 0:2 (4. Minute), 3:3 (8.), 4:4 (10.), 5:5 (13.), 8:5 (19.), 9:7 (23.), 11:7 (29.), 13:7 (30.), 15:9 (36.), 16:11 (39.), 17:13 (42.), 18:15 (47.), 19:16 (50.), 22:16 (51.), 23:18 (55.), 25:18 (58.).
(am)
Trainerstimmen zum Spitzenspiel
Dr. Frantisek Fabian (TSV Lohr): Wir haben uns die ganze Woche über auf die Abwehr fokussiert und die Deckung war letztlich Grundlage des Sieges. Mit unserem Abwehrsystem haben wir die Vorteile, die der Gegner in spielerischer und athletischer Hinsicht eigentlich hat, ausradiert. Außerdem war unser Rückzugsverhalten sehr effektiv und so konnte der Gegner keine einfachen Tore per Gegenstoß erzielen. Wir haben hingegen solche Tore erzielt und dabei gerade von unseren drei 17-Jährigen Yannick Bardina, Lars Spieß und Tom Spieß profitiert.
Martin Wild (TuS Fürstenfeldbruck): Ich bin enttäuscht. Uns haben wichtige Spieler gefehlt, aber wir haben auch zu wenig in das Spiel investiert. Indiz dafür waren die Abpraller, von denen Lohr 80 bis 100 Prozent bekommen hat. Wir haben zu viele technische Fehler gemacht und waren im Abschluss zu harmlos. Lohr hat ein gutes Spiel gemacht und hat verdient gewonnen.
(am)
Quelle: Main-Echo
