Bericht aus Rothenburg
Großes Kämpferherz nicht belohnt.
Erhobenen Hauptes konnten die Bayernligahandballer des TSV 2000 Rothenburg am Samstagabend die Spessarttorhalle in Lohr am Main verlassen. Hatten Sie doch gerade dem Meisterschaftsfavoriten beim 31:27 (13:11) über 60 Minuten alles abverlangt und gezeigt, dass man auch mit einer Spitzenmannschaft der Liga mithalten kann.
Das Spiel begann mit einem traurigen Ereignis. In Gedenken an die beiden am Freitag auf dem Weg zum Bundesligaspiel Balingen gegen Magdeburg tödlich verunglückten Bundesligaschiedsrichter Bernd und Reiner Methe unterbrachen die Schiedsrichterinnen Angelika Elfinger und Kerstin Wölfel (Erlangen und Röthenbach) die Partie direkt nach dem Anpfiff für eine Schweigeminute. Die Rothenburger, die ohne Max Hofmann (Sperre), Calin Farr (krank), Daniel Schubart (verletzt) und Manuel Schiedermeier (Beruf) antreten mussten, kamen im Anschluss besser als der hohe Favorit in’s Spiel. Gestützt auf eine herausragende Leistung von Torhüter Andreas Amann, der in der Anfangsphase u.a. 2 Siebenmeter halten konnte, gingen die Tauberstädter mit 4:1 in Führung. Die Abwehr war sehr konzentriert und im Angriff wurden die Chancen konsequent verwertet. Lohrs Trainer Dr. Frantisek Fabian sah sich gezwungen bereits nach 8 Minuten eine Auszeit zu nehmen, um den Lauf der Tauberstädter zu unterbrechen und seine Mannschaft neu einzustellen. Er musste die richtigen Worte gefunden haben, denn die Unterfranken konnten in den folgenden Minuten auf 6:6 ausgleichen. Im weiteren Verlauf der ersten Spielhälfte konnte sich keine Mannschaft entscheidend absetzen, bis zum 11:11 (24. Minute) blieb der Spielverlauf ausgeglichen. Mit zwei haarsträubenden Fehlern in der Abwehr brachten sich die Mannen von Helmut Hofmann in der Schlussphase der ersten Halbzeit um den verdienten Lohn ihrer Arbeit und Lohr ging mit einer Zweitoreführung (13:11) in die Pause.
In der Pause erinnerte Trainer Hofmann seine Mannschaft daran, dass es nur Kleinigkeiten waren, die in den ersten 30 Minuten den Ausschlag für den Gegner gegeben hatten und dass man keinesfalls chancenlos sei. Direkt nach Wiederanpfiff nutzte Rothenburg eine zweiminütige Überzahl und konnte zum 13:13 ausgleichen. Nicht nur die Gegner, auch die Zuschauer in der wie immer voll besetzten Spessarttorhalle hielten die Rothenburger im weiteren Spielverlauf mit ihrem couragierten Auftreten in Schach. Wie schon in der ersten Hälfte war auch im zweiten Durchgang lange Zeit wenig von der Kulisse zu hören. Wer glaubte, Lohr hätte den Widerstand der Rothenburger nach der ersten Dreitoreführung (21:18, 45. Minute) gebrochen, sah sich getäuscht. Beim 23:22 waren die Tauberstädter wieder dran. Dann aber machte sich auf Rothenburger Seite der Personalmangel und die damit verbundenen geringen Wechselmöglichkeiten bemerkbar. Der Hofmann-Truppe schwanden die Kräfte und auf Lohrer Seite zeigte u.a. der slowakische Ex-Nationalspieler Peter Vozar einige gute Aktionen. Auch Torhüter Stefan Schüßler zeigte in den Schlussminuten, dass er Könner seines Fachs ist. Nachdem er zunächst kaum eine Hand an den Ball bekam, konnte er sich nun mit einigen Paraden (u.a. ein Siebenmeter) auszeichnen.
In dieser Phase trafen auch die beiden ansonsten gut leitenden Schiedsrichterinnen einige für Rothenburg unglückliche Entscheidungen, so dass die Lohrer über 29:25 zum 31:27-Heimsieg kamen.
Auf Rothenburger Seite ragten aus der geschlossenen Mannschaftsleistung Hannes Kölle als Torschütze, Torhüter Amann vor allem in den ersten 30 Minuten und erneut der A-Jugendliche Tim Ehrlinger heraus. Ehrlinger stand in der Abwehr hervorragend und im Angriff, wo er aufgrund des Fehlens von Max Hofmann und Daniel Schubart am Kreis mehr Einsatzzeit erhielt, konnte er sich häufig gut in Szene setzen und drei blitzsaubere Tore erzielen. Am nächsten Wochenende (Samstag, 18.00 Uhr, Schulturnhalle Auerbach) geht es für die Tauberstädter zum Tabellenführer nach Auerbach. Mit der Moral von Lohr wird man auch dort versuchen, dem Favoriten ein Bein zu stellen.
Rothenburg: Amann (1. – 45. und 50. – 60.), Resler (45. – 50.) (Tor); Felix Kölle (1 Tor), Hannes Kölle (9/4 Siebenmeter), Ehrlinger (3), Ladygin (5), Wittmann (3), Ulics (2), Pfingstgräf (4), Striffler (n.e.), De Angelis (n.e.)
Lohr: Schüßler, Prokscha (Tor); Zeleny (5), Lars Spieß (4), Brunner (7/1), Avar, Kralik (1), Haberberger, Rahtz, Bardina (5), Horn (3), Tom Spieß (3), Scheiner, Vozar (3)
Spielverlauf: 1:1, 1:4, 3:6, 6:6, 8:8, 10:8, 11:11, 13:11 (HZ); 13:13, 15:15, 21:18, 23:22, 26:24, 29:25, 31:27
Siebenmeter: Lohr 3, Amann hält 2
Rothenburg 5, Hannes Kölle verwirft 1
Zeitstrafen: Lohr 5 (Zeleny, Lars Spieß, Rahtz je 1, Bardina 2)
Rothenburg 4, (Felix Kölle 2, Pfingstgräf und Ulics je 1)
Quelle: HP Rothenburg