Janis Gremzde gleicht im letzten Moment aus

09.04.18

TSV Lohr – TG Landshut 24:24 (13:12)

Ein bisschen dürften sich die Lohrer Handballer in den Schlusssekunden der Partie gegen Landshut vorgekommen sein wie bei einer weihnachtlichen Bescherung. Nur trugen die Weihnachtsmänner diesmal keine weißen Bärte und rote Mützen, sondern blaue Trikots und weiße Hosen und waren aus Landshut zum Auswärtsspiel in die Spessarttorhalle gereist. Und sie verteilten ihr Geschenk auch nicht an Heiligabend, sondern erst am Samstag nach Ostern.

Verfrühter Siegesjubel

Die Gäste befanden sich 15 Sekunden vor Schluss, nachdem sich Lohrs Linksaußen Ferdinand Schmitt beim Stand von 23:24 einen Fehlwurf geleistet hatte, in Ballbesitz. Landshuts Daniel Scheibengraber riss bereits die Arme in die Höhe im Gefühl des scheinbar sicheren Sieges. Die Gastgeber brauchten ein paar Augenblicke, um die Situation zu erfassen, auf offene Manndeckung umzustellen und damit vielleicht doch noch irgendwie an den Ball zu kommen. Den hatte TG-Abwehrchef Michal Pich, der das Spielgerät mit einem festen Pass an den Teamkollegen Enis Kabashi weiterleitete. Der fing den Ball jedoch nicht, so dass sich der Lohrer Janis Gremzde die Kugel schnappte, am weit vor seinem Kasten stehenden Keeper Adrian Müller vorbeilief, eine Sekunde vor der Schlusssirene zum Endstand von 24:24 einwarf und somit das Geschenk dankend angenommen hatte.

Der Lohrer Schütze zum Ausgleich: Janis Gremzde (rechts), bedrängt vom Landshuter Enis Kabashi.

Foto: Yvonne Vogeltanz

„Vom Kämpferischen her war's ein gutes Spiel von uns. Und durch das Tor haben wir uns irgendwie auch belohnt“, erklärte der Ausgleichstorschütze, der am Dienstag seinen 33. Geburtstag gefeiert hatte und der über den kuriosen Treffer zum 24:24 selbst etwas schmunzeln musste. Weit weniger lustig fand Milan Sedivec, Trainer der TG Landshut, die Vorkommnisse in der Schlussminute. Er war der Meinung, sein Team hätte das Tor nie und nimmer kassieren dürfen: „Du musst den Ball fressen oder irgendwie in die Zuschauer werfen. Aber so darfst du ihn nicht hergeben.“ Und er fügte an: „Ob das heute ein gewonnener oder verlorener Punkt war, wird sich vielleicht erst nach dem letzten Spieltag zeigen.“

Sprich: Die vom Abstieg bedrohten Lohrer und Landshuter sind nach dem 24:24 nicht klüger als zuvor. Einerseits ist das Feld der Abstiegskandidaten in der Bayernliga nach dem Überraschungserfolg des SV Anzing in Günzburg noch weiter zusammengerückt. Allerdings weiß derzeit keiner, ob es am Ende zwei, drei oder vier Bayernliga-Absteiger geben wird. Das hängt mit der Anzahl der bayerischen Absteiger aus der Dritten Liga zusammen. Und hier haben die bayerischen Teams, HSC Bad Neustadt und HSC Coburg II, am Samstag ihre Position mit überraschenden Siegen verbessert.

Auf die anderen Teams mag Lohrs Trainer Bernd Becker ohnehin nicht schauen: „Das lohnt sich nicht, da haben wir ohnehin keinen Einfluss drauf.“ Stattdessen soll seine Mannschaft in den verbleibenden Spielen beim neuen Meister Erlangen-Bruck und in Rothenburg sowie daheim gegen HaSpo Bayreuth möglichst viele Punkte holen, um zumindest den sicheren zehnten Platz zu erreichen.

Eine Sache der Nerven

Gegen Landshut hatte sein Team ein stetes Auf und Ab geboten. Nach anfänglichen Problemen eine konsequente Vorstellung in der Abwehr gezeigt, dafür sich vorne aber zahlreiche Fehlwürfe geleistet, vor allem von den Außenpositionen. „Das ist in unserer Situation eben auch Nervensache“, begründete Becker den Umstand, dass sein Team beim fünften Heim-Unentschieden in Folge wiederum handballerisch eine Menge schuldig geblieben war. Gleichwohl wehrten sich seine Spieler in schwieriger Situation und holten gar einen 20:23-Rückstand fünfeinhalb Minuten vor Schluss auf. Gleichwohl wäre das Lohrer Team am Ende leer ausgegangen, hätte der Gast aus Landshut in den Schlusssekunden nicht noch ein großzügiges Geschenk verteilt.

U. Sommerkorn

Lohr: Szabo (1. – 50.), Hartig (50. – 60.) – Zeleny 5, J. Scheiner (n. e.), F. Schmitt 4/3, Ferencsik (n. e.), Kralik, Gremzde 7, J. Schmitt 3. Born, Rahtz (n. e.), Röder 1, Horn 2, Horky 2.

Landshut: Murgg (1. – 17.), A. Müller (17. – 60.) – Sedivec 1/1, Christ 3, Gretsch 1, Scheibengraber 3, M. Müller 3, Auernhammer 1, Moritz, Kabashi 3, Obermayr 3, Pich 1, Berndl, Ruckdäschel 3.

Schiedsrichter: Flohr/Murrmann (Altenfurt).

Zeitstrafen: 2:1.

Siebenmeter: 4/3 – 1/1.

Zuschauer: 500.

Spielfilm: 1:4 (8.), 3:6 (13.), 7:6 (17.), 9:10 (24.), 13:12 (30.), 13:15 (35.), 17:17 (45.), 19:22 (51.), 20:23 (54.), 23:23 (59.), 23:24 (59'17“), 24:24 (59'59“).

Quelle: https://www.mainpost.de/sport/mainspessart/Friedberg-Janis-Gremzde-gleicht-im-letzten-Moment-aus;art798,9930564

© Main-Post 2018